|
|
|
Obwohl ich
mir einbilde, eine ganze Menge von der Welt erfahren zu haben, glaube
ich nicht, etwas "Übersinnliches"
1)
zu wissen. Ich habe
keinen einzigen Übersinn und kenne niemand mit einem. Doch
möge man mir verzeihen, seitdem ich "mündig"
2)
bin, habe ich von einem Schöpfergott,
der die Welt geschaffen hat, wegen der unfaßbaren
Großartigkeit dieser Welt, eine sehr viel
höhere Meinung, als die drei vorderasiatischen Religionen
zusammen, weil alle gegen das Zweite der Zehn Gebote
verstoßen.
3)
Ich ziehe noch
heute den Hut vor meinem Religionslehrer, der aus der Bibel zitierte:
"Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde" und
erläuterte: nach dem Bilde, daß sich Gott vom Menschen
machte. Erst nach dem Kriege hörte ich, der Mensch sei Gottes
Ebenbild und mir sträubten sich die Haare ob dieser
ungeheuerlichen Gotteslästerung, mit der sich der Mensch im
höchsten Größenwahn mit Gott auf eine Stufe
stellt.
Ganz besonders grauslich ist diese Behauptung, wenn man
sich Gott als Ebenbild von einem Übeltäter wie den
Mikrofon-Täter (analog zu Schreibtischtäter) Ilja Ehrenburg
vorstellen soll, auf dessen Schuldkonto durch seine Volksverhetzung
und Rassendiskriminierung die brutalsten Folterungen und Massenmorde
an zwei Millionen wehrloser Frauen, Kinder und Greise aus
Ostdeutschland kommen. Herr Eynhuf lese in der Bibel das Zweite Gebot
nach!
Ansonsten ist auffällig, daß an Luthers
Bibelübersetzung fast 500 Jahre lang keine inhaltliche Kritik zu
vernehmen war und daß dies erst nach mehr als 50 Jahren
Umerziehung in vorauseilendem Gehorsam geschieht.
Zudem bin ich
– Herr Eynhuf möge es Gott klagen – noch Zeitzeuge: Mir ist
von meinen vielen christlichen Freunden und Bekannten vor und nach dem
deutschen Zusammenbruch keiner bekannt geworden, der von einem
"neu-heidnischen Regime" brutal verfolgt wurde. Mir wurde
nur bekannt, daß Hitler katholisch war, und Göring
ließ sich nach der sogenannten Machtübernahme christlich
trauen. Ansonsten war von der Religion der Nazigrößen nie
die Rede. Auch bei der Wehrmacht war das kein Thema. Streiten
über Unbeweisbares ist sowieso sinnlos und richtet das meiste
Unheil in der Welt an.
ANMERKUNGEN:
Zu Eduard
Peter Koch: ‚Wahrheit in Deutschland‘"
1)
siehe: Christian Eynhuf: Zu Eduard Peter Koch:
"Wahrheit in Deutschland", Sleipnir 4/98
2)Mündig, hier im ursprünglichen Sinne, durch selbständiges Denken das Recht zu haben, öffentlich den Mund aufzumachen.
3)Die Zehn Gebote werden als Gottes Gebote ausgegeben. Das Zweite lautet: Du sollst dir kein Bild von Gott machen, weder als Bildnis noch in Gedanken.