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An das Amtsgericht Tiergarten
Dem Präsidenten, Richter Borgas
10548 Berlin
Berlin, den 4. April 2003
271 Cs 477/00 - 81 Js 3144/99
Meine Dienstaufsichtsbeschwerde vom 12. November 2002
Um beschleunigte Bearbeitung wird gebeten.
Es wird beantragt, Staatsanwalt Mohr auf dem Weg der Amtshaftung für
den durch unzulässige Gerichtsverfahren, Ladungen, Verteidigerkosten,
usw. entstandenen Schaden haftbar zu machen.
Wegen der Rufschädigung - auch wegen seiner Anspielungen unter
Verwendung des Terminus "Holocaust" in der Verhandlung vom 20. März
2003 -, soll dieser zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 100.000
Euro verpflichtet werden. Der Staatsanwalt hat sich über die Tatsache
hinweggesetzt, daß ich erst 1953 geboren bin, also für ein
historisches Geschehen, das sich das allgemeinen Auffassung zufolge
zuvor ereignete, keinerlei Verantwortung trage. Wenn etwa
Außenminister Fischer hierfür die Verantwortung - und damit auch die
Schuld - übernommen hat, so ist das Sache der Regierung. Eine solche
Schuldanerkenntnis und Entschädigungspflicht kann nicht unbeteiligten
Bürgern überschrieben, diese dürfen hierfür nicht bestraft werden.
Die einzelnen Bürger sind, dies ist in diesem Zusammenhang
festzustellen, keineswegs die Rechtsnachfolger des Dritten Reiches
und weder für die NSDAP noch sonstige historische Organisationen
verantwortlich. Auch haben deutsche Gerichte sich nicht zum
verlängerten Arm der Einrichtung oder auch Aufrechterhaltung eines
Besatzungsregimes zu machen. Zu verteidigen ist inzwischen das
Lebensrecht der Deutschen in Deutschland, deren Recht auf Demokratie,
Selbstbestimmung, freien Zugang zu den Informationen, Pressefreiheit
usw., aber auch auf Nachwuchs, auf ein Steuer- und Rentenrecht, das
Familien mit Kindern nicht länger benachteiligt und so das deutsche
Volk binnen zweier Generationen zum Untergang verurteilt.
Die Verwendung des Terminus "Holocaust" wird im übrigen mit Rücksicht auf unsere jüdischen Mitbürger zurückgewiesen, da dessen Verwendung die Gefahr der Heiligung verbrecherischer Handlungen mitsichbringt.
Der Staatsanwaltschaft ist in ähnlicher Situation bereits 1996 das folgende mitgeteilt worden: "Es ist besonders traurig zu erleben, daß diese, die elementarsten Prinzipien einer freiheitlichen Verfassung verletzenden Praktiken mit dem Tod und dem Leid von Menschen begründet werden, die in der Vergangenheit Opfer von Krieg und Gewalt wurden. Diese Opfer verdienen den Einsatz für Demokratie und Menschenrechte, nicht aber deren Bruch."
Der Vorwurf "versachlichende Wortwahl", der mit dem Strafbefehl erhoben wurde, nimmt judenfeindliche Argumentationsmuster aus der Zeit des Nationalsozialismus auf, setzt damit die bereits im Aufsatz "Die Gerichte erledigen des Geschäft der Antisemiten" gerügte Praxis fort und befindet sich in offenem Widerspruch zu Geist und Buchstaben des Grundgesetzes.
Die unverzügliche Einstellung des Verfahrens und die Gewährleistung der Rechtsbindung der Justiz wird verlangt.
Zur Begründung im einzelnen:
Daß der Vorwurf der versachlichenden Wortwahl weder Juden noch für
Deutsche von Geltung sein kann, belegt der Gebrauch des Wortes
Sachlichkeit in der deutsch-jüdischen Zeitung "Aufbau" in Sachen Hans
Holbein: "Hans Holbein der Jüngere und sein Werk Einfühlung und
detailgenaue Sachlichkeit [...]"
Es liegt nahe, daß hinsichtlich der Auffassung über Versachlichung,
des Wertes derselben, keinerlei notwendige Unterschiede zwischen
Deutschen und Juden, jüdischen Deutschen und türkischen Deutschen
usw. existieren, daß Sachlichkeit nebst deren Wegbereiter, der
Versachlichung, ein allgemein anerkanntes Kulturgut sind, auch wenn
dies nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Es handelt sich
bei nachfolgend als Beweismittel vorgelegtem Artikel "Ätzende
Sachlichkeit" aus der Wochenzeitung "Freitag vom 7.12.2001, dessen
Titelbestandteil "ätzend" auf eine Mißbilligung sachlicher
Darstellung zielen könnte, im Kern um eine Bestätigung des Wertes von
versachlichender Wortwahl. Auch wird hier sichtbar, daß der in den
vergangenen Jahren beschrittene Weg inkrementeller Hysterisierung
nicht kulturfördernd war, das friedliche Zusammenleben nicht
begünstig hat. Der Aufsatz beweist den Wert sachlicher Darstellung,
die als solche nicht Gegenstand und Handhabe von Kriminalisierung
sein kann. Es heißt dort:
Rudolf Walther: Amtshilfe für Himmlers Einsatzgruppen
ÄTZENDE SACHLICHKEIT
Die neue Wehrmachtsausstellung meidet die emotionale Zuspitzung und sieht sich mehr der Analyse verpflichtet
Die seit anderthalb Wochen in Berlin gezeigte Neuauflage der
Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des
Vernichtungskrieges 1941-1944" (s. Freitag 49/2001) steht bisher nicht
unter dem gleichen publizistischen Trommelfeuer wie die Vorgängerin
Mitte der neunziger Jahre. [...]
Der Streit um die erste Wehrmachtsausstellung bewirkte unter anderem,
dass Historiker durch sie einen differenzierteren Umgang mit Fotos
erlernten. [...]
Zum Beweis, daß Sachlichkeit als ein allgemeines Kulturgut gilt, daß nicht die Verteidigung und Bewahrung auf dem Wege des Versachlichung, wo Unsachlichkeit droht, sondern der Angriff auf die Sachlichkeit allgemein als Angriff aufgefaßt wird, wird die folgende Auseinandersetzung zu Beweiszwecken übergeben: Die Rezension "Das Eindrucksvolle an Scientology" von Wolfgang Behnk
"Das Autorenehepaar spiele die Gefahr der Scientology-Organisation "drastisch herunter" und bestätige nur "diejenigen, die sich bisher untätig zurücklehnten", lasse bei der Behandlung des Problems falscher Unterwanderungsverdächtigungen sowie der seitenlangen Anprangerung einer Sektenkritikerin die "beschworene Sachlichkeit" nicht erkennen und stürze mit der "Verharmlosung" totalitärer Gruppen "des öfteren ab"."
[...]
Pfr. Dr. Wolfgang Behnk, 47, promovierte mit einer Arbeit über
Luthers Lehre vom freien und unfreien Willen und ist seit 1991
Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der
Evang.-Luth. Kirche in Bayern
Damit dürfte dem Gericht nachvollziehbar sein, daß der Appell an die Sachlichkeit keinerlei Straftatbestand verwirklichen kann.
Auch daß die im Lande lebenden Juden durch "versachlichende Wortwahl" - also eine kategorischen Bewegung hin zu Sachlichkeit - beeinträchtigt werden könnten, ermangelt aber jeglicher Dokumentation. Das Gegenteil aber liegt nahe. Zum Beweis folgender Auszug aus dem Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: " Bestände: Personen: Schwarz
VERZEICHNIS
1
Glückwunschschreiben zum Neujahr 1972
1 Bü. ................Dez. 1971
Enthält u. a.:
Schreiben von Regierungspräsident von Niederbayern Burkhardt, Prof. Dr. Thorsten Gebhardt (Universität München), Ministerialrat Gilbert (Bayerisches Staatsministerium des Innern), Prälat Dr. Michael Höck (Erzbischöfliches Ordinariat München), Dr. Bruno Merk (Bayerischer Staatsminister des Innern), Oberbürgermeister der Stadt Straubing, Regierungspräsident von Niederbayern Johann Riederer, Otto Wittmann MdB
2
Privatkorrespondenz
1 Bü. . ................Nov. 1971 - Jan. 1972
Enthält u. a.:
Schreiben von Mosche Baram (hebräisch, Abgeordneter des israelitischen Parlaments), Schalom Ben Chorin (Jerusalem), Werner Cahnmann (Forest Hills, USA), Jean Mandel (Mitglied des Bayerischen Senats), Rundschreiben der World Federation of Polish Jewish (jiddisch)
3
Zeitungsausschnitte
2 Schr. ..............31. Dez. 1971
Enthält:
"Sachlichkeit und Fairness - Zum 70. Geburtstag von Dr. I. D. Evian" (Allgemeine Jüdische Wochenzeitung Nr. XXVI/53, 31. Dez. 1971)
"Verdienstkreuz überreicht - Georg Süsskind geehrt"
4
Konzepte für Briefe und Reden
1 Bü ..................1971 - 1972
5
Protokoll der Wahlkommission zum 28. Zionistischen Kongreß
1 Schr. ..............30. Nov. 1971
6
Mitglieder der jüdischen Gemeinde Straubing
3 Schr. .............1971 - 1972
Enthält u. a.:
Ledigkeitsbescheinigung für Gemeindemitglied in Landshut
7
Rechnungsaufstellung
Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern (?)
1 Schr. ..........10. Jan. 1972
8
Schreiben von Stefan Schwarz an Rabbiner Lothar Rothschild
1 Schr. .........22. Dez. 1968
9
Ehrung Karl Laabs
Ersuchen des Kreis- und Stadtbaurats Karls Laabs (Kassel) um Ehrung bei deutschen und israelitischen Stellen aufgrund der durch ihn während der Kriegsjahre in Chrzanow (Krenau, Polen) erfolgten Rettung von Juden
1 Bü. ...........1948 - 1972
Enthält u.a.:
Korrespondenzen mit Bundespräsidialamt, Yad Vashem und Juden aus Chrzanow
Eidesstattliche Erklärungen von Juden aus Chrzanov betr. Rettung von Juden während des Krieges durch Karl Laabs (Weiden/Passau 1948)
Zeugenaussage von Karl Laabs betr. Verwaltungsgerichtsverfahren Maringer gegen Stadt Frankfurt (1963 - 1964)
3 Fotografien von Karl Laabs
Entnanzifizierungsverfahren Karl Laabs vor der Spruchkammer Kassel (13. Sept. 1949)
Schreiben an Stefan Schwarz
----- Zur Titelseite Zum Vorwort Zum Personenregister Zum Ortsregister Andere Nachlässe aus dem Bereich Gemeindeleben Weitere Nachlässe im Zentralarchiv Zur Home Page des Zentralarchivs
Es geht hieraus aus Position 3 hervor, daß "Sachlichkeit und Fairneß" in jüdischen Kreisen nicht minder geschätzt werden, weswegen sich diese durch Hinwendung zur Sachlichkeit - versachlichende Wortwahl - auch nicht glaubwürdig angegriffen fühlen können.
Nicht nur, daß die verständige Betrachtung eher der Ruhe des
sachlichen Gespräches und der sachlichen Auseinandersetzung - wie eben
dokumentiert und zu welchem Thema auch immer - den Vorzug vor der
Aufgeregtheit geben wird: Es liegt eine Fülle von Dokumenten vor, die
einen Zusammenhang von Diktatur und Hysterie, von Fanatismus und
Totalitarismus auf der einen, aber von Sachlichkeit und der Freiheit
demokratischer Willensbildung, von Sachlichkeit und demokratischer
Wahl usw. auf der alternativen Seite nahelegen.
Zum Beweis: Übungen von Sabine Kopp des Titels "Die Nazis und die Kultur" im Auftrag von Inter Nationes: Chronik 1937
""Entartete Kunst": Herabsetzende und verleumderische Bezeichnung für
alle Kunstwerke und Kunstrichtungen, die der Ideologie und dem
"Kunstverständnis" der Nationalsozialisten nicht entsprachen. In der
bildenden Kunst waren es vor allem die Richtungen der Moderne wie
Impressionismus, Expressionismus, Kubismus, abstrakte Kunst,
Fauvismus, Dadaismus und neue Sachlichkeit, gegen die sich dieser
nationalsozialistische Kampfbegriff richtete.
3.Übungen
Darstellungsweise der modernen Kunst
Darstellungsweise der Nazi-Kunst
Abstraktion
Darstellung der Dynamik des modernen Lebens
Ausdruck von Bewegung
Form und Farbe hat Vorrang vor Inhalt
Darstellung von Träumen, Visionen und spontanen Assoziationen
[...]
Es ist in diesem Zusammenhang u.a. auf dem erwähnten Oskar Schlemmer zu verweisen. Sachlichkeit - und also Versachlichung - wurde sehr oft mit Gesellschaftskritik assoziiert, mit dieser in Verbindung gebracht und auch in diesem Zusammenhang von der NS-Ideologie angegriffen.
Zum Bedeutungszusammenhang folgende Übersicht: Weimarer Republik bis
zum Ende des 3. Reiches (1919-1945) Historischer Hintergrund * Ende
des ersten Weltkrieg, Versailler Vertrag, Zeit der Weimarer Republik *
Inflation * "Goldene Zwanziger" * Sozial- und Wirtschaftprobleme *
Hitler als Diktatur * Zensur der Presse * Gegen Juden * Zweiter
Weltkrieg (1939-1945) * Weitere Informationen dieser Zeit Neue
Sachlichkeit (1925-1930) * Reaktion zum Expressionismus * Die Fakten
der Situationen zeigen ohne Subjektivität ohne politische
Meinungen * Schlechte Zustände durch die Literatur zeigen
Exilliteratur (1933-1945) * Schriftsteller, die wegen der Nazis
fliehen mußten. * Themen Die Schuld des Zweiten Weltkriegs Das
Schlechte der Nazis Literaturformen * Dramen * Romane * Satiren
Hauptvertreter * Carl Zuckmayer * Erich Kästner * Bertolt Brecht *
Heinrich Mann * Ernst Jünger * Anna Seghers * Thomas Mann * Hermann
Hesse * Robert Musil * Ödön von Horváth * Erich Mara Remarque * Kurt
Tucholsky * Johannes R. Becher * Hans Fallada * Hermann Hesse Der Steppenwolf Bertolt Brecht Der kaukasische Kreidekreis Mutter Courage Thomas Mann Tonio Kröger Der Tod in Venedig
[...]
Zum Beweis, daß auch in Kreisen jüdischer Gelehrter die Sachlichkeit
allgemein als eine Auszeichnung, nicht aber als ein zu verfolgendes
Delikt betrachtet wird, weswegen aber auch nichtjüdische Deutsche
nicht im Namen des Judentums, bzw. um angeblich Juden zu schützen, der
versachlichender Wortwahl angeklagt werden können, das folgende:
Uni-Report Nr. 11 vom 6.11.1995
Juden an der Frankfurter Universität
Bis 1933 lehrten und forschten an der Universität Frankfurt außergewöhnlich viele jüdische Wissenschaftler. Eine Dokumentation des Archivs Bibliographia Judaica stellt nun erstmals Schicksal und Leistungen sämtlicher Professorinnen und Professoren vor.
[...]
Die Eröffnungsphase wurde überschattet durch den Ausbruch des Ersten
Weltkriegs, aber trotz des damals allgemein herrschenden
nationalistischen Überschwangs wurde bis in die Weimarer Republik
etwas vom Geist und Willen der Stifter bewahrt. Im Bericht des Rektors
über das abgelaufene Studienjahr 1920/21 heißt es: "In unseren Mauern
soll jede Überzeugung zu Wort kommen dürfen, wenn sie sich nur auf
ernste Arbeit gründet, wenn sie von dem Geist der Sachlichkeit
durchdrungen ist. So nur werden wir unserer Jugend die Möglichkeit
geben, zu geistiger Selbständigkeit zu gelangen."
Quelle: Netzseite der Universität Frankfurt
Zum weiteren Beweis, daß Sachlichkeit - und also versachlichende Wortwahl - das Wohlergehen der Juden nicht beeinträchtigt, vielmehr eher als Garant desselber erscheint, wird die Diskussion um das Verbot des Schächtens in der Schweiz reflektiert: Home ~ Suchen ~ Tierforum ~ Tierschutz-News ~ Lost & Found ~ Spenden ~ Tierschutzvereine ~ Geschenke ~ URL hinzufügen
Der Zürcher Tierschutz wünscht, dass trotz allen Wirren in dieser Diskussion Sachlichkeit und Toleranz das Zepter übernehmen und bittet um Verständnis, dass er sich naturgemäss für das Wohl jener Tiere einsetzt und einsetzen muss, die unter der tierquälerischen Handlung des Schächtens ohne vorherige Betäubung leiden müssen.
Bernhard Trachsel, Zoologe, Geschäftsführer Zürcher Tierschutz
Quelle: www.tierschutz.ch.
Als Beweis des Wertes der Sachlichkeit nicht nur in der Gegenwart, sondern auch vor dem Hintergrund historischer Ereignisse sei hier die Geschichte des Physikers Hans Kopfermann in das Verfahren eingeführt: "Der Niederschlag der zwölf Jahre. Kernmomente
(vorläufig)
Die Geschichte der zwölf Jahre gewinnt in der wählerischen Tätigkeit
des Wiedergebens und Niederschreibens, die eben Geschichte genannt
wird, ihr Gesicht als die Geschichte des Genozids. Mit jedem Teilstück
aus der Vergangenheit, aus der Politik, aus 'friedlichem Alltag' oder
mörderischem Krieg. Die Problematik kollektiven und individuellen
Verhaltens in diktatorischen Verhältnissen, in der Praxis
'friedlichen' Zusammenlebens wie auch im Krieg, schließt die
Wissenschaft ein, die Wissenschaftspolitiker, die Frauen und Männer in
Physik und Technik, die hier den 'Gegenstand' bilden.
[...]
Konnte ein Physiker nicht entschiedener, aktiver, 'stiller' oder
partieller Regime- und Kriegsgegner sein und sich über Handlungen und
persönliche Beziehungen vollkommen täuschen, die faktisch den mehr
oder weniger heimlichen, verbrecherischen Absichten und Interessen
entgegenkamen?
Hertha und Hans Kopfermann erlebten die Vertreibungswelle, die die
nationalsozialistische Machtübernahme auslöste, in Kopenhagen, und sie
erlebten dort die 'Reaktion des Auslands', die eine doppelte war:
Hilfe für die Exilierten und weitere Zusammenarbeit mit Kollegen in
Deutschland in der Hoffnung auf eine baldige Umkehr der politischen
Lage oder zumindest auf eine Abkehr des Regimes vom antisemitischen
Fanatismus. Hans Kopfermann machte sich Anfang Mai 1933 auf einer
zweiwöchigen Reise nach Göttingen, Berlin und Rostock ein Bild von der
Lage, das in einem ausführlichen Brief an Niels Bohr zum Ausdruck
kam. Das Schreiben, sowie der beigelegte Zeitungsartikel Wolfgang
Köhlers zeugten von Ablehnung der antisemitischen Maßnahmen, doch mehr
noch von Unklarheit über den ganzen Umfang ihrer Bedeutung und der des
Machtwechsels.
[...]
Gustav Hertz, der Institutsleiter, teilte mit James Franck und Fritz
Haber die internationale Bekanntheit und das Prestige des
Nobelpreisträgers. Wenn er eine andere Haltung einnahm und im Land
blieb, geriet er damit bei den exilierten Kollegen nicht ins
Zwielicht. Er spielte die Karte politischer Zurückhaltung und betonter
'Sachlichkeit' aus.
[...]
Quellen:
[1]Hans Kopfermann, Hyperfeinstruktur und Isotopie, Die Naturwissenschaften 24, 1936, S.561
[2]Ebenda, S.567
[8]Peter de Mendelssohn, Die Kathedrale, Berlin, Ullstein, 1988, S.199
[9]Peter Weiss, Fluchtpunkt, Frankfurt, Suhrkamp, 1962, S.210/11
... Quelle: schluepmann@uwa.physik.uni-oldenburg.de
Der Begriff der Sachlichkeit, dies macht auch dieser Beleg deutlich,
wurde gerade im Gegensatz zur Gefühlsbetontheit der Ideologie
verstanden.
Die Staatsanwaltschaft schließt mit ihrem Angriff auf die Sachlichkeit
an NS-Ideologie an, dies sind totalitäre Denkmuster.
Die dem Strafbefehl immanente Behauptung "versachlichende Wortwahl", also Sachlichkeit, könne eine Beleidigung der Judenheit bedeuten, deren Ehre usw. angreifen, ist auch vor dem Hintergrund, daß Juden in hervorragender Weise etwa an der Weltgeltung beanspruchenden Bewegung der "Neuen Sachlichkeit" beteiligt waren, in das Reich der Absurdität zu verweisen. Dabei steht Sachlichkeit weithin in einem deutlich antifaschistischen - aber auch antitotalitaristischen - Kontext. Sachlichkeit (als Begriff auch auf die Literatur übertragen) gehört u.a. Bauhaus-Tradition: "funktionale Ästhetik" Wohn- und Industriebau, Stadtplanung (Gropius, Le Corbusier, Mies van der Rohe), deren namhafte Vertreter oft Juden waren und in die Emigration gingen. Entsprechendes ist für die Entwicklung in Rußland im Kontext des russischen Konstruktivismus, El Lissitzki's, Malewitsch's usw. zu sagen.
Zum Beweis des Kontexts, in welchem der Begriff "Sachlichkeit" und damit auch die "versachlichende Wortwahl" historisch steht, wird übermittelt: Übersicht zur Literaturgeschichte aus "Standorte", Klett Verlag, 1993, S.268 - 288
Übersicht zur Literaturgeschichte:
Literarische Entwicklung zwischen 1918 und 1945
Aufarbeitung der Krise in Politik und Gesellschaft - Kabarett, Chanson und politische Satire - Essay - Neue Sachlichkeit, nüchterne Alltagssprache - Existenzphilosophie - Antikriegsliteratur - historischer und zeitkritischer Roman - Darstellung psychologischer Krisen 1918-1933 Weimarer Republik 9.11.1918 Ausrufung der Republik 6.2.1919 Nationalversammlung in Weimar Reichspräsident Ebert 28.6.1919 Unterzeichnung des Friedensvertrags in Versailles Gebietsverluste, hohe Reparationen, Einschränkungen im militärischen und zivilen Bereich, Kriegsschuldartikel 231 - Ablehnung in der deutschen Bevölkerung, rechtsradikale Propaganda: "Diktatfrieden" innenpolitische Radikalisierung: 26.8.1921 Ermordung Matthias Erzbergers 24.6.1922 Ermordung Walter Rathenaus Januar 1923 frz. Besetzung des Ruhrgebiets: Ruhrkampf Herbst 1923: Höhepunkt der Inflation in Deutschland 8./9.11.1923 Hitlerputsch in München November 1923 "Wunder der Rentenmark", Überwindung der Inflation, wirtschaftliche Stabilisierung 1924 Dawes-Plan, Sicherung der dt. Zahlungsfähigkeit 26.4.1925 Hindenburg wird Reichspräsident ("Ersatz-kaiser") Außenpolitische Stabilisierung (Stresemann-Briand) 1926 Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund 1929 Young-Plan, Festsetzung der dt. Reparationen bis 1988 Beginn der Weltwirtschaftskrise ab 1930 Notverordnungen, Aufstieg der NSDAP, bürgerkriegsähnliche Straßenkämpfe Wichtige Einflüsse und Entwicklungen: In der Philosophie erneut Frage nach dem Sinn des Seins. Existenzphilosophie: Martin Heidegger (1889-1976), u. a. Sein und Zeit (1927). Karl Jaspers (18 83-1969), u. a. Die geistige Situation der Zeit (1931). Selbst- und Seinsentfremdung des Menschen, Geworfensein ins Nichts. Französischer Existentialismus: Jean-Paul Sartre (1905-80), u. a. Das Sein und das Nichts (1943); Bühnenstücke: u. a. Die Fliegen (1943), Geschlossene Gesellschaft (1944). Albert Camus (1913-60): Der Mythos von Sisyphos - Ein Versuch über das Absurde (1942). Entscheidender Einfluss auf Philosophie und Literatur des 20. Jh.s: Soren Kierkegaard (1813-55), u. a.: Die Krankheit zum Tode (1849). Angst: Grundbefindlichkeit menschlicher Existenz, Einsamkeit und Tragik des Menschseins.
In der Bildenden Kunst und Architektur Überwindung des Expressionismus: Neue Sachlichkeit (als Begriff auch auf die Literatur übertragen), Bauhaus-Tradition: "funktionale Ästhetik" Wohn- und Industriebau, Stadtplanung (Gropius, Le Corbusier, Mies van der Rohe). In der Musik radikaler Bruch mit der traditionellen Tonalität-durch Arnold Schönberg (1874-1951): Zwölftonmusik.
[...]
E-Mail: netSCHOOL Redaktion ; 1999
Diese Position ist international anerkannt, weswegen der Strafbefehl, solle er Bestand haben, auch einen neuen deutschen Sonderweg eröffnen würde. Zum Beweis die folgenden Auszüge aus GER 341, 342, 343, der Homepage Oregon State University: DER HISTORISCHE HINTERGRUND (6): Expressionismus, Neue Sachlichkeit, Brecht, Bauhaus, usw.
Deutschland zwischen 1918 und 1945
1. Es war eine Zeit der großen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Änderungen und Erschütterungen1: zwei Weltkriege und der Zusammenbruch2 mehrerer Systeme: o das Kaiserreich (das Deutsche Reich) 1918, o die Weimarer Republik 1933, o die Nazidiktatur (von den Nazis "Drittes Reich" genannt) 1945.
DIE LITERATUR
In der Literatur dieser Zeit gab es noch den Expressionismus, aber ab dieser Zeit hat man keine einheitlichen Bewegungen mehr. Man sprach 1925-1930 von der Neuen Sachlichkeit, aber sie war eigentlich keine richtige Bewegung ist. Auch gab es Schriftsteller, die in keine Gruppe paßten, wie Bertolt Brecht und viele andere Kunstbewegungen, unter ihnen das Bauhaus, das wir besprechen werden. In der Nazizeit gab es eine deutsche Literatur im Exil, die man die Exilliteratur nennt.
[Image] Expressionismus [Image] Literatur zwischen 1925-1945 (mit Neuer Sachlichkeit, usw.) [Image] Brecht und Bauhaus HomepageLiteraturbewegungen [Image] ljking@orst.edu germlit@mail.orst.edu
Ebenso wird zu Beweiszwecken vorgelegt der Netzauftritt des Jüdischen Museums Wien, der deutlich erkennen läßt, daß Sachlichkeit, und also auch dessen Herstellung via Versachlichung, weder etwas Judenfeindliches, noch etwas gegen sonstige Minderheiten Gerichtetes ist:
Die Ausstellungen 2002
Überblick: 1. Heimat is my Neighborhood - Zivildienst in New York 2. Ernst Epstein (1881 - 1938). Der Bauleiter des Looshauses als Architekt 3. Jüdische Postkarten (Arbeitstitel) 4. Bruno Schulz - Das grafische Werk (Arbeitstitel) 5. Die 2. Republik und die österreichischen Juden (Arbeitstitel) Zum Anfang Heimat is my Neighborhood Zivildienst in New York
Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Wien in Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institute New York, dem Verein Gedenkdienst Wien und dem Österreichischen Nationalfonds Jüdisches Museum Wien, 5. Juni 2002 bis 13. Oktober 2002 Leo Baeck Institute New York, 27. Mai bis September 2002 Seit mehr als sechs Jahren treffen junge Österreicher im Rahmen der Organisation Gedenkdienst auf österreichische Emigranten in New York. Die Zivildiener sammeln Lebensgeschichten und -daten der Emigranten im Leo Baeck Institute, bewahren ihre historischen Dokumente, führen mit ihnen Interviews durch, und (was wohl das wichtigste ist) erneuern mit diesen Begegnungen einen Dialog, der 1938 gewaltsam von österreichischen Nationalsozialisten unterbrochen wurde. Die Begegnungen der Gedenkdienstleistenden mit den Emigranten sind das zentrale Thema der Ausstellung. Durch die Interviews und Dokumente werden diese jungen Österreicher gemeinsam mit den Emigranten vorgestellt. Die Besucher erfahren nicht nur über die Lebensgeschichten und Lebensgewohnheiten der Emigranten oder über ihre aufrechte oder unterbrochene Beziehung zu Österreich. Sie erfahren auch, warum 60 Jahre nach dem Holocaust junge Österreicher auf die Idee kommen, ältere, einst aus Österreich geflüchtete Menschen zu ihrem Lebensweg zu befragen. Die Ausstellung berichtet auch über die emotionalen Stresssituationen, in denen sich sowohl die jungen Interviewer als auch die älteren Menschen in diesen Treffen wiederfinden. Teil des Konzeptes ist es, auch die Besucher als Dialogpartner zu gewinnen: So können sich die Menschen in der Ausstellung selbst in die Rolle der Fragenden und der Antwortsuchenden begeben und so ihre persönliche Geschichte wie auch die Geschichte ihrer Familie hinterfragen. Entsprechend der alten und neuen Heimat der Emigranten wird die Ausstellung zeitgleich in Wien im Jüdischen Museum und in New York in der Galerie des Leo Baeck Institute stattfinden. Die Besucher beider Ausstellungen haben die Möglichkeit, via neuer Medien auch miteinander in Kontakt zu treten, wodurch sich der Dialog in der Gegenwart fortsetzt. Die Ausstellung ist die erstmalige Veröffentlichung der Austrian Heritage Collection, jener einzigartigen Sammlung am New Yorker Leo Baeck Institute, die oral history und das Sammeln von persönlichen Gegenständen und Dokumenten miteinander verbindet. Die Ausstellung und der in deutscher und englischer Sprache erscheinende Katalog sollen sowohl ein breiteres Publikum als auch Zeithistoriker anregen, sich mit den gesammelten Daten genauer auseinander zu setzen. Zur Ausstellung Zum Anfang Ernst Epstein (1881 - 1938). Der Bauleiter des Looshauses als Architekt
30. Juni 2002 - 29. September 2002 Ernst Epstein, der heute einer
interessierten Fachwelt zumeist nur als Bauleiter des Looshauses
am Michaelerplatz ein Begriff ist, errichtete in Wien zwischen
1906 und 1938 rund 100 Bauten, von denen einige in der Nachfolge
von Adolf Loos stehen. Zumeist errichtete er noble Wohn- und
Geschäftshäuser sowie Villen und Industriebauten. Die
beeindruckende Zahl von Bauwerken, die Zusammenarbeit mit Adolf
Loos und die sich daraus in Epsteins architektonischem Werk
ergebenden Folgewirkungen lenken die Aufmerksamkeit auf Leben und
Werk Ernst Epsteins. Die Ausstellung im Jüdischen Museum soll
erstmals eine Überblick über das Oeuvre Epsteins geben. Der
Verlust sämtlicher Unterlagen aus dem Atelier Epsteins sowie der
Umstand, dass Epstein selbst nie publiziert hat, erschwert dieses
Unterfangen allerdings. Speziell in den Beziehungen zu Adolf Loos
und anderen Zeitgenossen lassen sich interessante Rückschlüsse auf
die Tätigkeit Epsteins ziehen. Einen wichtigen Faktor bildet die
Orientierung am Barock, am Klassizismus und an dessen Spielart,
dem Biedermeier. Wichtig war für Epstein die Berücksichtigung
bestimmter, grundlegender Gesetzmäßigkeiten wie Symmetrie,
Rhythmus und Harmonie. Die Dekoration, einerlei welcher
Stilrichtung sie folgte, wurde innerhalb dessen von ihm in eine
logische Beziehung zur Grundstruktur der Bauwerke gesetzt. Die zum
Großteil gut erhaltenen Bauwerke Ernst Epsteins, welche über ein
Vierteljahrhundert Wiener Architekturgeschichte dokumentieren,
belegen eindrucksvoll den ständigen Wandel vom Secessionismus zum
Klassizismus, vom Barock zum Expressionismus und zur Neuen
Sachlichkeit.
[...]
Damit ist der Zusammenhang zwischen der Moderne, den bei passender Gelegenheit vergessenen westlichen Werten und der Sachlichkeit - auf dem Wege der zu Unrecht inkriminierten sachlichen Wortwahl bewiesen. Daß dem Begriff der Sachlichkeit - und also der versachlichenden Wortwahl - keinerlei Kriminalpotential innewohnt, selbst wenn die versachlichende Wortwahl von den Repräsentanten demokratischer Gleichheit nicht gerade gewünscht wird - was zwar nicht ganz nachvollziehbar, aber jedenfalls noch nicht justitiabel ist - macht der Bericht der "Berliner Zeitung" deutlich: Archiv Berliner Zeitung
Datum: 05.11.2001 Ressort: Feuilleton Autor: Andreas Krause
Der Preis der Sachlichkeit
Ein Symposium zum "Denkmal für die ermordeten Juden Europas"
Einmal mehr im Verlauf der Entstehung des "Denkmals für die ermordeten
Juden Europas" wurde sein Bau in der vergangenen Woche symbolisch
begonnen.
[...]
Auch das Werk Hermann Langbeins, dessen Namen wie kaum ein anderer
mit der - wenn auch umstrittenen - Geschichtsschreibung des KL
Auschwitz verbunden ist, wird ausdrücklich unter Bezugnahme auf dessen
Sachlichkeit gelobt:
Ökumenisches Heiligenlexikon Auschwitz
[INLINE] Wladyslaw Bartoszewski, Adam Bujak, Jean-Marie Lustiger, Rita
Süssmuth; Auschwitz Birkenau Gebundene Ausgabe (1989), Herder,
Freibg.; ISBN: 3451213168. Preis: DM 39,80 [LINK] [INLINE] Otto
Schwerdt, Mascha Schwerdt-Schneller: Als Gott und die Welt
schliefen. Taschenbuch - 111 Seiten (1998), Lichtung Vlg., Viecht.;
ISBN: 3929517272. Preis: DM 19,80 Otto Schwerdt, wurde 1943 ins
Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, konnte aber
überleben; seine Mutter, seine Schwester und sein Bruder wurden
ermordet. Er hat seine Leidensgeschichte zusammen mit seiner jüngsten
Tochter Mascha aufgearbeitet. Die langen Gespräche waren Grundlage des
erschütternden Berichts. [LINK] [INLINE] Hans G. Adler, Hermann
Langbein, Ella Lingens- Reiner, Ella Lingens- Reiner:
Auschwitz. Zeugnisse und Berichte. Taschenbuch - 315 Seiten (Oktober
1994), Europ. Vlg.-Anst., H.; ISBN: 3434462236. Preis: DM 28,00 Diese
Zeugnisse und Berichte aus Auschwitz sind nach wie vor die
umfassendste Dokumentation der Wirklichkeit im größten
nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager -
erschütternde Dokumente der wenigen Überlebenden über die zermürbende
Arbeit, den Kampf ums erbärmliche Überleben, die Grausamkeit der
Capos, Folter, Flucht, Tod. Und es sind Zeugnisse des Widerstands im
Lager, Beispiele von Standhaftigkeit und Menschlichkeit. [LINK]
[INLINE] Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Gebundene Ausgabe -
800 Seiten (Dezember 1996), Europa Vlg., München; ISBN:
3203512432. Preis: DM 54,00 "So genau, wie die Geschehnisse selbst
verliefen, kann sie kein Mensch sich vorstellen ... das alles wird nur
einer von uns, aus unserem engeren Kreis übermitteln können, wenn
jemand zufällig überleben sollte ..." Der polnische Jude Zelman
Lewental, der zur Arbeit in den Gaskammern von Auschwitz gezwungen
wurde, hat diese Worte geschrieben. Einer aus diesem Kreis ist Hermann
Langbein. Nahezu emotionslos und darum mit um so eindrücklicherer
Sachlichkeit dokumentiert er mit den Aussagen von Opfern und Tätern
den Alltag in Auschwitz.
Für die Vermutung, Sachlichkeit, bzw. versachlichender Wortwahl als der Weg zu dieser, sei etwas Kriminelles besteht kein Grund. Die Kriminalisierung der Sachlichkeit birgt dagegen die Gefahr neuer Judenverfolgung, wie der nachfolgende Artikel aus dem Berliner Tagesspiegel belegt: Nachrichten : Sonderseiten : Israel 2001
9.05.2001
Das Botschaftsgebäude Ein Stück Jerusalem in Berlin Israel präsentiert sich mit einem spektakulären Bau in Grunewald Falk Jaeger
Zwei Schwerpunkte jüdischen Lebens existierten vor dem Krieg in Berlin. Die offiziöse, die orthodox-religiöse, offen zur Schau gestellte jüdische Kultur entfaltete sich im Quartier um die Oranienburger Straße in Mitte, gespeist hauptsächlich aus osteuropäischen Quellen. Im Westen dagegen, in Grunewald, lebte das deutsch-jüdische Bürgertum, ja Großbürgertum, eher im Verborgenen, ohne sich vom nicht jüdischen Bevölkerungsteil äußerlich abzuheben. Seine Assimilationsbemühungen gingen bis hin zur christlichen Taufe. Das Reformjudentum übernahm christliche Riten und Feste.
Als Bismarck sich als Städtebauer versuchte und den Kurfürstendamm als
Verkehrsachse in den Grunewald auszubauen trachtete, wurde sein
Projekt größtenteils von diesem jüdischen Großbürgertum getragen, das
jede zweite oder dritte Villa dort errichtete. [...]
Es ließ herrschaftliche Villen in
parkähnlichen Gärten von barocker Pracht oder dezenter Sachlichkeit
als Bühne für den gepflegten Lebensstil erstellen.
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The Pedagogic Center Direktor: Dr. Motti Friedman Web Site Manager: Esther Carciente, esthers@jajz-ed.org.il Bearbeitung: Dr. Chani Hinker
Created: 16/11/00 Updated: 11/12/00
Es erhebt sich u.U. die Frage, ob die Anklageerhebung etwas mit
unterschiedlicher kultureller Prägung zu tun haben könnte: Deren
Verfolgung dürfte allerdings entbehrlich sein, da es hier allein auf
die Dokumentation zwingender Verfahrenseinstellung ankommt. Auch auf
einem Gebiet aber, welches in der vergangenen Jahren mit
unvergleichlicher Emotionalität diskutiert wurde - wenn man von
Dschenin, Sabra, Schatila usw. absieht - kann nicht behauptet werden,
daß Sachlichkeit, bzw. versachlichende Wortwahl allgemeine Ablehnung
von seiten der verschiedenen beteiligten Verbände und
Interessengruppen erfährt. Zum Beweis das folgende Sendemanuskript von
"Kulturzeit". Hier wird u.a. die Problematik der Emotionalisierung -
des Gegenteils der hier zu Unrecht angeklagten versachlichenden
Wortwahl - hinterfragt:
Motive der Erinnerung Die "Holcaust"-Ausstellung über die Wannsee-Konferenz und ihre Folgen
Haus der Wansee-Konferenz Ausstellung: Holocaust - Der nationalsozialistische Völkermord und die Motive seiner Erinnerung
[...]
Es ist die Nüchternheit und
Sachlichkeit einzelner Objekte, die die nicht erzählbare Geschichte
der Shoa dennoch vor Augen führt.
[...]
Burkhard Asmuss will mit dem Konzept der Ausstellung Denkimpulse geben: "Es ist für uns schon sehr wichtig, dass Menschen nachdenklich werden. Emotionalisieren ist wirklich meiner Meinung nach sehr ambivalent. Es kann etwas Gutes bewirken, es kann aber genauso gut ins Gegenteil umschlagen. Weil Emotionalisieren bedeutet, nicht kritisch zu hinterfragen."
18.01.2002 Kulturzeit
Wie kann eine Haltung der Sachlichkeit, welche einseits im Haus der
Wannseekonferenz mit staatlichem Geld gefördert wird, von der
Staatsanwaltschaft angeklagt werde?
Der Versuch, unerwünschte Äußerungen zu kriminalisieren ist nicht nur wegen der Bezugnahme auf "versachlichende Wortwahl" zu kritisieren. Die Bedeutung kontroverser Diskussion und also der Freiheit der Diskussion ist schon seit der Antike bekannt und seither von den freiheitsliebenden Kräften - die derzeit allerdings unterrepräsentiert scheinen - immer wieder verteidigt worden: Die Bedeutung der Darlegung durch Herakleitos von Ephesos, daß der Gegensatz - und nicht das Gleichartige - Synchronizität, Harmonie, Wachstum und Einklang hervorbringt, zog auch das Interesse von Aristoteles ca. 150 Jahre nach dem Tod von Herakleitos auf sich.
Inzwischen liegt gerade auch zu Fragen der Internets genügend Material
vor, das belegt, daß fortgesetzte Zensurversuche der Mächtigen den
sozialen Frieden nicht befördern, sondern stören. Zum Beweis wird, mit
dem Antrag, das Verfahren nach Kenntnisnahme wegen dessen immanenter
Friedensgefährdung einzustellen, übermittelt:
IOZ-Forum Ihre Meinung bitte an kessler@ioz.ch
Die Ablehnung der Zensur wird u.a. von Andy Müller-Maguhn, dem deutschen Vertreter bei er Icann, geteilt: Aus der WELTWOCHE Ausgabe Nr. 47/00, 23.11.2000
Er beklagt dort die Entscheidungsabläufe der
Internet-Verwaltung: "Icann hat
eine zentralistische, hierarchische Struktur, die sich quasi in den
Händen der US-Regierung befindet. Diese Struktur halte ich für
veränderungswürdig, weil die Regierung der USA den Rest der Welt
wirtschaftlich, technisch und kulturell dominiert..."
Andreas Röhler (per Fax ohne Unterschrift gültig)
sleipnir@club.lemonde.fr
Keine neue Gestapo, keine neue Stasi,
keine politische Justiz!